Hallo Leute,
konnte doch nicht widerstehen und habe probeweise mal 4 von den Caps bestellt 
Was mich hoffnungsvoll stimmte, war der Aufdruck ‘ROE’, der für die Firma Roederstein steht, eine deutsche Qualitätsschmiede. Bin dort einige Wochen am Werk vorbeigelaufen auf dem Weg zum Bahnhof in Landshut (Niederbayern) als ich in München als Werkstudent bei Siemens gearbeitet habe. Ausserdem sind das die sog. ‘Gold-Caps’ ein Siegel für beste deutsche Wertarbeit.
Habe die Kondensatoren heute mal einigen Test unterzogen und langsam formiert, damit sich die Al-oxidschicht verbessern kann. Also über Stelltrafo/Variac und nachgeschaltetem Spannungsverdoppler ganz langsam hochgeregelt und in 50V Schritten immer mal wieder länger pausiert und den Reststrom gemessen.
Hier das Setup:
Außerdem habe ich die Kapazität (mit ESR-Transistor-Multitester und einem YR1035+ zur Messung des Innenwiderstands von Li-ion 18650-Zellen), den seriellen Ersatzwiderstand ESR und den Verlustfaktor D (Dissipation factor) gemessen. Die Werte sind sicher nicht sehr genau, weil das Messequipment für diese Zwecke zu einfach/billig ist, aber sie geben einen groben Anhaltspunkt.
Was soll ich lange drumherum reden: im Großen und Ganzen hat sich meine Hoffnung erfüllt und die Caps sind besser, als ich ihrem Alter nach dachte
!
Die gemessenen Kapazitäten lagen alle in der Soll-Range: 4120 - 4250 uF.
Der ESR lag bei allen vieren zwischen 0,34 und 0,36 Ohm (gemessen mit dem Multifunktionstester), was allerdings deutlich zu hoch ist, grob um den Faktor 10. Ein 4000uF Al-Elko für 450VDC sollte etwa einen ESR zwischen 20 und 30 mOhm haben (lt. div. Datenblättern und ESR-Tabellen). Allerdings traue ich dem Multimeter hier nicht so wirklich. Es zeigte auch bei allen vieren einen ‘Verlustfaktor’ (V-loss) von 1,2 - 2,2% an, das wäre also der DF (dissipation factor), der allerdings auch stark Frequenzabhängig ist. Dieser hängt ja mit dem komplexen Wechselstromwiderstand (Xc) zusammen und ist direkt (reziprok) frequenzabhängig (Xc = 1/(2PifC)).
Mit dem YR1035+ (das m.E. recht genau misst und zwar den Innenwiderstand bei 1 kHz) ergeben sich um den Faktor 10 geringere Werte für den ESR, die dann schon einem durchaus guten Elko dieser Größenordnung entsprechen. Gemessene Werte lagen hier zwischen 19,8 und 24,2 mOhm.
Vermutlich mißt der Multifunktionstester mit 100 Hz, dann kommen die Werte etwa grob hin.
Leckströme/Reststromverhalten
Beim langsamen Formieren habe ich die Restströme beim Pausieren nach 1, 2, 3 und 5 min. gemessen. Und zwar jeweils bei etwa 100V, 200V, 300V, 350V, 400 und 450V. Mit steigender Spannung am Elko steigt der Reststrom und mit der Wartezeit sinkt er wieder ab. Im Idealfall (neuer Elko) sollte der Reststrom sich bei Nennspannung nach 5 min. etwa im Bereich 3*SQRT(CU) einpendeln (in Mikroampere), also 3x Quadratwurzel aus dem Produkt Kapazität mal Spannung. Das wäre irgendwo im Bereich von 10 uA. Viele Datasheets geben für solche Elkos aber einen max. Reststrom von 5 uA vor.
Die gemessenen Restströme lagen hier alle deutlich darüber (muß wohl sehr viel länger Formieren - läuft gerade noch….), denn meine Werte liegen nach 1 min. zwischen 1500 und 2300 uA, nach 2 min zwischen 1000 und 1700 uA und nach 5 min. zwischen 630 und 1240 uA (bei Nennspannung von 450V).
Nach meiner kurzen ‘Formierung’ und für 34 Jahre alte Al-Elkos finde ich das doch recht respektable Werte. Ich mache derzeit noch einen Langzeittest über mehrere Stunden (evtl. 24h) und schaue, wie weit der Reststrom noch fällt.
Wenn ihr noch weitere Ideen habt, was und wie man Testen könnte - und wie lange man Formieren sollte - lasst es mich gerne wissen. Eine Labor-LCR-Brücke habe ich leider nicht, aber ich denke für eine grobe Einschätzung reichen die Werte.