Hallo Leute,
wollte Euch schon länger unser großes PV-Projekt vorstellen, das wir im letzten Jahr durchgezogen haben. Wir haben unser kompl. Dach incl. 3 Gauben erneuern lassen und kompl. neu gedämmt und neu eingedeckt. Wir haben die Gelegenheit genutzt, das Dach mit PV zu belegen und auch die 3 Gauben integriert, was aufgrund von Verschattung und unterschiedlicher Neigung nicht ganz einfach war. Insges. konnten wir 32 Module unterbringen (+ 6 Module auf NW-Seite aufgeständert, die aber als Insel fungieren). Die Module sind Trina Vertex S+ mit 450 Wp. Sie sind in 3 Strings organisiert, alle auf der SO-Seite: 1x12 Module unverschattet und 2x10 Module mit tlw. Verschattung durch die Gauben.
Hier der Belegungsplan:
Die Gauben haben eine Neigung von ca. 7 Grad, das Schrägdach ca. 23 Grad.
Als Wechselrichter haben wir uns für einen Deye 15kW Hybridwechselrichter entschieden - eine eierlegende Wollmilchsau mit Notstromfähigkeit, Schwarzstartfähigkeit, insges. 4 MPPT-Eingängen (wobei 2 jeweils parallel geschaltet sind) und bis zu 280A DC-Ladefähigkeit. Nachteile: Chinaproduktion und bei Nutzung der Solarman-App gehen die Daten über die Deye-Cloud, update nur alle 5 min. Letzteres kann man optimieren, indem man Home Assistant o.ä. nutzt, dafür braucht es aber zwischengeschaltete Router/Computer und einiges an ‘Programmieraufwand’.
Die Elektrik bei uns im Haus ist aus den frühen 70er Jahren mit einem Hager Zählerschrank von 1972, alten runden Panzersicherungen 63A und 3 Drehstromzähler (für ehemals 3 Wohnungen), die inzwischen zu 2en zusammengelegt sind. Hier hatten wir große Mühe einen Elektriker zu finden, der uns den alten ZS so umgebaut hat, dass wir unsere PV darüber betreiben konnten. Die meisten wollte kompl. neue Schränke setzen, was schon aus Platzgründen bei uns gar nicht funktionierte, da der ZS in einer Nische im Keller untergebracht ist. Über kleinanzeigen haben wir nach über 1 Jahr suche einen willigen Elektriker aus der Nähe gefunden, der uns den ZS umgebaut und den WR angeschlossen hat.
Sämtliche Leitungen vom WR zum ZS und vom Dach in unseren Keller habe ich selbst verlegt und mußte dafür etliche Wanddurchbrüche schaffen, tlw. mit 1m langen Spezialbohrern (die hintere Außenwand verläuft an einem Kaminzug, wo die ges. Wanddicke über 60cm beträgt! Alle 3 Strings werden mit separaten PV-Kabeln (6mm2) vom Dach bis in den Keller geführt, wo der WR hängt. Vorgeschaltet ist dem noch ein sog. GAK (Geräte-Anschlußkasten) mit zusätzlichen LSS (Leitungsschutzschaltern) und ÜSS (Überspannungsschutzschaltern). Die LSS werden im eigentlichen Sinne nicht als ‘Sicherungen’ gebraucht, da die Module ja nie mehr Strom liefern als sie nom. können (hier max. knapp 10A). Sie dienen vielmehr dazu, im Wartungsfall den Wechselrichter von der PV zu trennen (möglichst nicht unter Last).
Hier der GAK in Eigenbau (Gehäuse und Einsätze selbt gekauft)
Wie man sieht führen hier sehr viele Kabel auf engem Raum zusammen und es war eine kleine Kunst diese möglichst verwindungsfrei und sauber in die Klemmen zu installieren. Bei den DC-LSS muß man sehr auf die Stromrichtung aufpassen, da diese ja im Zweifel einen ordentlicihen Lichtbogen trennen müssen (was m.W. magnetisch und über Löschkammern funktioniert), aber eben nur in einer Richtung. Es gibt wohl Ausnahmen, die in beide Richtungen betrieben werden können, aber i.d.R. dann deutlich teurer sind, und oft sind die Angaben dazu kaum zu finden. Auch bei den ÜSS gibt es unterschiedliche Typen für unterschiedliche Anforderungen (Typ 1,2 und 3) - ich habe hier Kombitypen 1+2 gewählt. Darin verbaut sind meist kleine ÜS-Ableiter und MOVs, die bei hoher Spannung im kV-Bereich leitend werden und ein Durchschlagen der Überspannung auf nachgelagerte Komponenten verhindern sollen.
Von dort geht es dann weiter an den Deye-WR, der in einem kleinen Kellerraum hängt und diesen unter Vollast gut aufheizt:
Dem Deye-WR mitgeliefert werden besondere PV-Stecker die extrem solide sind und den hohen Eingangsstrom für die parallelen MPPT-Eingänge tragen können. Allerdings sind diese nicht mit den normalen Crimpzangen für MC4-Stecker zu crimpen, weil etwas dicker und kompl. massiv. Stattdessen mußte ich diese Stecker dann löten, was etwas tricky war aber die einzige Möglichkeit einen vernünften Anschluß zu bekommen.
Auf die vielen Settings und sonstigen Tücken, die der Deye hier bietet, will ich jetzt an dieser Stelle nicht näher eingehen - das wäre ein Thema für sich.
Wichtigste Elemente und Lehren aus dem Projekt:
- unbedingt auf kompabible MC4-Steckertypen achten. Sie heißen zwar (fast) alle MC4 und sollten kompatibel sein, in der Praxis ist es aber nicht so und es gibt minimale Abweichungen, die zu unzuverlässigen Steckverbindungen führen können. Auch das Crimpen dieser Stecker sollte vorher geübt und getestet werden! Es gibt nicht schlimmeres, als wenn sich spätzer zeigt, das einige Verbindungen schlecht sind, sich ggf. Erhitzen und im worst-case zu Lichtbögen führen können.
- Die Stirngkonfiguration und der Wechselrichter müssen zueinander passen. Sowohl was die Anzahl der Strings angeht, der verfügbaren MPPT-Eingänge und insbes. der Startspannung des WR, so dass der Wandler im optimalen Arbeitsbereich arbeiten kann. Auch die Maximalspannung im Winter muß bedacht werden.
- Die Leistung des WR darf gerne über der PV-Leistung liegen, aus 3 Gründen:
- der Mehrpreis für einen größer dimensionierten WR ist oft minimal
- ein größerer WR bietet Reserven für späteren Ausbau der PV und er läuft nicht so schnell heiß (d.h. die Lüfter springen erst später an)
- die Elektronik im WR wird geschont, wenn das Gerät nicht nahe auf Vollast laufen muß
Eine Batterie hatten wir zunächst nicht, die ist jetzt aber bestellt. Wir haben uns doch für ein Fertiggerät entschieden, weil der Elektriker kein reines DIY-Bastelgerät anmelden wollte. Ansonsten hätte ich mir den Akku durchaus aus 16 LFP-Zellen selbst gebaut und dabei ein ruhigeres Gewissen gehabt als bei einem Chinakracher. Ich habe aber bisher nur gute Erfahrungen mit der niederländischen Firma NKON gemacht und dort einen Fertigspeicher, den NKON Ess Eco mit 16 kWh bestellt. Dieser sollte in den nächsten Tagen geliefert werden.
Wenn ihr noch Fragen oder Anmerkungen habt, meldet Euch gerne.



